Den Wert des Lichts steigern
Was nichts kostet, ist nichts wert, heisst es in unserer Gesellschaft. Tageslicht ist von Hause aus kostenlos, womit es einen schweren Stand hat. Selbst die Tatsache, dass es CO2-neutral ist, wird nur zu selten gewürdigt.
Was aber wäre, wenn Tageslicht, das ins Gebäudeinnere dringt, einen Wert in Schweizer Franken erhalten würde. In einer vom Beratungsunternehmen Wüest Partner veröffentlichen Studie steckt eine beeindruckende Aussage: Eine Immobilie mit einer verbesserten Tageslicht-Situation im obersten Geschoss hat einen um 10% höheren Wert im Vergleich zu einem konventionell versorgten Geschoss.
Aber wie lässt sich die Tageslichtversorgung beurteilen? Bis vor kurzer Zeit war dies in der Schweiz erstaunlicherweise kaum möglich, da keine verbindliche Bewertungsmethode existierte. Seit letztem Jahr ist die Schweizer Norm SN EN 17037 – Tageslicht in Gebäuden in Kraft, jedoch ist diese bei vielen Akteuren des Bauens kaum bekannt.
Sieht es beim Kunstlicht besser aus? Dieses hat zwar einen Preis, aber die Preiserosionsspirale dreht sich immer weiter. Bei der LED gelten in der Lichtbranche die Gesetze der Halbleiterindustrie: je grösser die Menge, umso tiefer der Preis. Licht wird immer billiger. Nicht nur in der Herstellung der Leuchten, sondern auch im Betrieb. Aufgrund der hohen Effizienz reduzieren sich die Energiekosten massiv und die Wartungskosten beim Lampenwechsel gehören auch der Vergangenheit an.
Aber Licht ist nicht nur eine Frage des Preises, sondern auch der Qualität. Die Entwicklung und Herstellung von hochwertigen Leuchten gibt es ebenso wenig zum Nulltarif wie eine umfassende Lichtplanung. Dies gilt besonders, wenn es nicht nur um eine reine Auslegung der Anzahl der Leuchten geht (quantitative Planung), sondern wenn die Planung eine klare Gestaltungsabsicht verfolgt (qualitative Planung). Unabhängige, gut ausgebildete Lichtgestalter benötigt die Branche. Das Honorar von Leuten, die sich an der Verbindungsstelle von Technik und Gestaltung bewegen, muss endlich klarer geregelt sein. Die Branche muss sich den Herausforderungen stellen und sollte nicht in Schockstarre verharren.
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